Erste Hilfe zu leisten ist nicht schwer. Doch haben viele Menschen Angst davor, etwas falsch zu machen, oder ekeln sich einfach vor einer Notfallsituation.
Doch es ist gar nicht so schwierig, zumindest ein Minimum an erster Hilfe zu leisten. Sei es, einen Notruf abzusetzen, eine Unfallstelle abzusichern oder sich um einen Verletzten zu kümmern.
Darüber hinaus ist jeder in Deutschland sogar gesetzlich dazu verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten, sofern es ihm zuzumuten ist und er sich dabei nicht selbst in Gefahr bringt. Wer nicht hilft, macht sich der “unterlassenen Hilfeleistung” schuldig, was mit einer Geld- oder sogar Freiheitsstrafe bestraft werden kann (§ 323C, Strafgesetzbuch).
Rettungskette
Für eine optimale Versorgung ist ein Ersthelfer eigentlich unerlässlich. Dies zeigt auch die sogenannte “Rettungskette”, die , wie jede andere Kette auch, nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Die Rettungskette basiert dabei auf vier Gliedern:
- Sofortmaßnahmen (Absichern, Retten, Notruf, Lebensrettende Maßnahmen)
- Weitere Maßnahmen (Zuspruch, Lagerung, Verbände)
- Rettungsdienst
- Krankenhaus
Die ersten beiden Glieder und somit die Hälfte der Kette gehören dabei zur Ersten Hilfe und befinden sich im Zuständigkeitsbereich des Ersthelfers. Hier zeigt sich schon, wie wichtig der Ersthelfer ist. Ein Rechenbeispiel:
Der Rettungsdienst hat (in Rheinland-Pfalz) eine Hilfsfrist von 15 Minuten. Dies bedeutet, daß der Rettungsdienst in 95% der Fälle innerhalb von 15 Minuten nach Eingang des Notrufes am Einsatzort sein muß, in 80% der Fälle sogar in 10 Minuten.
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand wird man jedoch schon nach 15 Sekunden bewußtlos, nach 3 Minuten hat man die ersten Hirnschäden und nach 5 Minuten sind die Hirnschäden irreparabel.
Für den Rettungsdienst ist es also fast unmöglich, in ausreichender Zeit vor Ort zu sein. Denn allein bis der Notruf eingegangen und die entsprechenden Einsatzkräfte alarmiert sind vergehen schon 2 – 3 Minuten. Womit wir schon beim nächsten Thema wären:
Notruf
Auch einen brauchbaren Notruf abzusetzen ist nicht schwer. Dieser kann kostenlos und ohne Vorwahl über die Notrufnummer 112 über das normale Telefon, über Handy (auch ohne Guthaben, aber aktivierter SIM-Karte) oder Notrufsäulen erfolgen. Dabei gibt es eigentlich nur die 5 Ws zu beachten:
- Wo? Wo genau ist es passiert? Bei Gebäuden die Hausnummer, in welchem Stockwerk? Bei wem klingeln? Gibt es einen Einweiser? Auf welcher Straße (Bundesstraße, Autobahn,…)? Zwischen welchen Ortschaften? Dabei hilft es der Leitstelle mehr, wenn man außerorts die nächstgelegenen Ortsnamen anstelle von Straßennummern angibt. Also besser “zwischen Astadt und Bhausen” und nicht “auf der L47 in der Nähe der B9″.
- Was? Kurz und knapp: Was ist passiert? Verkehrsunfall? Treppensturz? Brustschmerzen? Welche Maßnahmen muß die Leitstelle einleiten?
- Wie viele? Wie viele Betroffene gibt es? Ganz wichtig: Es geht nicht nur um die wirklich Verletzten, sondern auch andere Betroffene, die in irgendeiner Form beteiligt sind und z. B. psychisch betreut werden müssen (Angehörige, Zeugen,…).
- Welche? Welche Arten von Verletzungen liegen vor? Besonders sollte man dabei auf vermutlich lebensbedrohliche Verletzungen hinweisen, damit ein Notarzt alarmiert wird.
- WARTEN! Das wichtigste W! Keine Frage, sondern eine Aufforderung! Das Gespräch wird nicht vom Anrufer beendet, sondern von der Leitstelle. Wenn der Disponent keine Fragen mehr hat, wird er das Gespräch beenden. Aber falls noch Fragen bestehen sollten, bitte unbedingt darauf antworten.
Falls man die 5 Ws nicht mehr in Erinnerung hat, ist es auch nicht schlimm. Die Leitstelle wird schon alles Wichtige erfragen.
Und noch ein ganz wichtiger Punkt: Wenn man die 112 anruft, wird man in den allermeisten Fällen eine Tonbandansage hören, daß momentan alle Leitungen belegt sind. Bitte in dieser Situation nicht auflegen und eine andere Nummer wie etwa die 19222 oder 110 anrufen. Über die 19222 kommt man in der Regel, sofern diese Nummer überhaupt im jeweiligen Bundesland existiert, bei der selben Leitstelle und demselben Tonband raus. Und die Polizei unter 110 wird den Notruf auch an die Rettungsleistelle weiterleiten, was das ganze nur etwas verzögert.
Die Tonbandansage bedeutet einfach nur, daß momentan alle Disponenten am telefonieren/funken sind, sie aber schnellstmöglichst den nächsten Notruf entgegen nehmen.
Auffrischung
Leider gibt es nach wie vor keine gesetzliche Regelung, die eine regelmäßige Auffrischung des Erste-Hilfe-Wissens vorsieht. Daher hat der letzte Erste Hilfe – Kurs bei den meisten wohl für den Führerschein stattgefunden und ist schon viele Jahre her.
Seitdem hat sich sehr viel geändert und viele Ersthelfer wissen daher nicht mehr, was zu unternehmen ist oder wie manche Handgriffe funktionieren. Daher kann man nur an jeden appellieren, hin und wieder mal einen Erste Hilfe Kurs zu besuchen und sein Wissen aufzufrischen. Denn jeder kann mal in eine Notfallsituation geraten, egal ob als Patient oder als Ersthelfer.
Zur Auffrischung gibt es verschiedene Möglichkeiten. So bietet z.B. der ADAC in Zusammenarbeit mit den großen Hilfsorganisationen das spezielle Kursangebot “Fit in Erster Hilfe” an, das in zwei Kursen zumindest die wichtigsten Maßnahmen und Handgriffe zeigen soll.
Weitere Angebote im Internet:
>> Erste Hilfe online: Das Deutsche Rote Kreuz bietet auf seinen Internetseiten einen Online-Kurs zum Thema Erste Hilfe
>> Wikipedia: Erste Hilfe: Die freie Internet-Enzyklopädie Wikipedia beinhaltet auch viele Themen und Informationen zum Thema Erste Hilfe.
>> Erste Hilfe Kurse in Deutschland: Auf dieser Internetseite findet man, nach Bundesländern sortiert, eine Übersicht einiger Anbieter, die Erste Hilfe Kurse anbieten.
Die im jeweiligen Ort ansässigen Hilfsorganisationen informieren aber auch gerne über ihr Kursangebot.